Ein Interview mit Paul Eis

GM: Lieber Paul, vielen Dank für deine Zeit. Woher kommst du? Wo lebst du?

Paul: Ich komme aus Berlin und bin dort auch aufgewachsen. Seit zwei Jahren studiere ich Architektur im österreichischen Linz.

GM: Und dann?

Paul: Die Welt ist groß!

GM: Was siehst du?

Paul: Eine Welt, die ein großes Potenzial an Kreativität und guten Ideen hat, sich aber viel zu häufig nicht traut und stattdessen lieber beim Status quo bleibt.

GM: Wer oder was hat deinen Stil beeinflusst:

Paul: Eigentlich die gesamte Stadt um mich herum. Beziehungsweise eher das, was nicht da ist. Nämlich abwechslungsreiche und spannende Architektur die Spaß macht. Gerade die neueren Bauten in Berlin sind häufig Meilen davon entfernt, sodass ich von dieser Tristesse im Gegenteiligen inspiriert wurde und angefangen habe, die Gebäude digital einzufärben.

GM: Hast du Künstler zum Vorbild?

Paul: Meine Vorbilder sind in vor allem die Architekten, die mit Freude in ihren Entwürfen etwas gegen die einfallslosen und eintönigen, weißen Klötze setzten. Zum Beispiel das Büro Sauerbruch Hutton, die Bürogebäude entwerfen, die mit farbenfrohen Fassaden eine ganz neue Dynamik bekommen.

Oder auch Bruno Taut, einer der Pioniere des neuen Bauens, der schon in den 1920er Jahren Farbe zu einem wichtigen Gestaltungsmittel bei seinen, für damalige Verhältnisse, riesigen Siedlungen benutzt hat, um diese persönlicher und freundlicher zu machen. Etwas, das im Laufe der Zeit leider, vor Allem in der Bauhaus-architektur, vergessen wurde und die ganzen kaltherzigen, grauen Großsiedlungen zur Folge hatte, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebaut wurden.

Auch zu nennen sind Architekten wie Bjarke Ingels, dessen einfallsreiche und oft auch humorvolle Entwürfe nicht nur Fachleuten sondern allen Menschen Spaß macht, so wie es in der Architektur eigentlich sein sollte.

Auch, wenn ich diese Liste noch lange weiterführen könnte, sind diese Architekten dennoch eine Minderheit gegenüber denen, die unter dem Vorwand der „modernistischen Strenge“ (wobei es fragwürdig ist eine mehr als 80 Jahre alte Stilrichtung als modern zu bezeichnen) höchstens Kritiker begeistern, während sich alle Anderen langweilen beziehungsweise in Gleichgültigkeit gegenüber der Architektur verfallen.

GM: Welches deiner Bilder ist dein Lieblingsbild und warum?

Paul: Das ist ziemlich schwer zu sagen. Ich betrachte die Bilder selten als einzelne Werke sondern meist zusammen so dass es nicht ganz einfach ist eines herauszureissen. Am spannendsten finde ich eventuell das Bild „Pixels“.

Da das Gebäude in seiner rechteckigen, gerasterten und symmetrischen Kubatur eine starke Kontrolle und Härte ausstrahlt, jedoch innerhalb dieser Form durch die verspielte Anordnung gefärbten Flächen eine große Leichtigkeit entsteht. Irgendwie eine Art geordnetes Chaos, welches ein großes Spannungsfeld erzeugt, aber dem Raster nicht entfliehen kann.

When the sun goes down

Galerie Minimal – Künstler: Paul Eis – Limited Edition: 50+V – Berlin/Deutschland- 2016

Simply balconies

Galerie Minimal – Künstler: Paul Eis – Limited Edition: 50+V – Berlin/Deutschland- 2017

Pixels

Galerie Minimal – Künstler: Paul Eis – Limited Edition: 50+V – Berlin/Deutschland – 2018

Strictly right-angled

Galerie Minimal – Künstler: Paul Eis – Limited Edition: 50+V – Berlin/Deutschland – 2017

GM: Was bedeutet Minimale Fotografie für dich?

Paul: Nur das zu zeigen, was in dem Moment wichtig ist und das in absoluter Reinheit. Wenn ich mit den Fotos etwas bestimmtes ausdrücken will braucht es nichts, was den Betrachter davon ablenkt.

GM: Gibt es etwas, das du mit deiner Arbeit kommunizieren möchtest?

Paul: Ich bin der Meinung, dass Architektur mehr Freude verträgt. Man muss nur einmal durch irgendeine graue Plattenbau-siedlung gehen, um zu verstehen, weshalb dort höchstens Kriminalität und Perspektivlosigkeit aber sicher keine Freude entsteht. Menschen werden von dem Inspiriert,was sie umgibt. Und wenn das nur Klötze sind, bei denen einer wie der andere aussieht, dann ist das natürlich nur schwer möglich.

Das gilt übrigens nicht nur für für Sozialbauten sondern lässt sich unabhängig von der Preisklasse der Gebäude beobachten.

Definitiv eins von vielen Problem hierbei ist die (nicht)Farbe weiß, die in der Architektur inflationär verwendet wurde und wird, nicht da diese zu Zeiten des Bauhauses durch die damaligen Star-Architekten wie LeCorbusier oder Gropius stark modern wurde, sondern vor Allem im Zuge der Risikovermeidung häufig den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt gegen den im Zweifel am wenigsten Leute einsprechen würden.

Und wie es häufig ist, endet der Weg des geringsten Risikos unter dem Vorwand der streng modernen Architektur am Ende auch hier bei Langeweile und Eintönigkeit.
Meine Arbeiten sind nicht als konkrete Verbesserungsvorschläge für die gezeigten Gebäude zu verstehen, sondern stehen für sich und sollen eher im Allgemeinen zeigen, was Farbe an Architektur bewirkt und wie auch einfach strukturierte Gebäude zum leben erweckt werden. Ziel ist es von der Gleichgültigkeit gegenüber der Architektur loszukommen und diese wieder zu etwas zu machen, das alle Menschen inspiriert und Freude bereitet!

Shades of Pink

Galerie Minimal – Künstler: Paul Eis – Limited Edition: 50+V – Linz/Österreich – 2017

Piled up

Galerie Minimal – Künstler: Paul Eis – Limited Edition: 50+V – Berlin/Deutschland – 2016