Ein Interview mit Alex Harbich

GM: Lieber Alex, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Beginnen wir, wie immer, mit einer Bestandsaufnahme: Woher kommst du? Wo bist du? Wohin gehst du?

Ich komme ursprünglich aus der Pfalz, habe schon während meiner Schulzeit angefangen zu fotografieren und bin deshalb nach Hamburg gezogen. Dort arbeite ich an konzeptionellen Projekten, studiere Fotografie und verdiene meinen Lebensunterhalt als Fotograf. Ich kann mir gut vorstellen, dass es mich später nach Berlin verschlägt … oder irgendwo anders hin, wohin mich meine Projekte eben treiben.

GM: Was ist es, das du siehst wenn du durch den Sucher deiner Kamera blickst?

Im Alltag und bei meiner Arbeit verliere ich mich oft in Details. Mit der Fotografie lebe ich meinen Perfektionismus aus. Das ist manchmal hilfreich und manchmal auch nicht so sehr. Die Großstadt hat für mich viel mit Reizüberflutung zu tun, genau das mag ich aber an ihr. Ich stehe dann auch mal zehn Minuten an einer Straßenecke und schaue einfach nur.

GM: 🙂 Dann stehst du also dort… und was passiert dann? Wie müssen wir uns deinen Prozess vorstellen?

Generell arbeite ich so, dass ich mir alle kleinen Ideen, Begriffe oder Themen in einem Skizzenbuch abspeichere. Meine Projekte entstehen durch die Verknüpfung dieser Elemente. Man kann also sagen, dass ich mich von meinem Umfeld inspirieren lasse.

GM: Was in deinem Umfeld beeinflusst dich besonders?

Den größten Einfluss auf meine Arbeit hat vielleicht die Musik, denn vor der Fotografie habe ich lange Musik gemacht. Ich würde mich freuen, wenn jemand meine Fotografie als eine Art visuelle Musik wahrnimmt …

GM: Gibt es noch etwas anderes, das dich inspiriert? Hast du zum Beispiel Vorbilder?

Vorbilder habe ich auch! Ich mag die Arbeiten von Andreas Gursky, Siegfried Hansen und Alexey Titarenko sehr gerne. Das sind Persönlichkeiten, die mich schon seit längerer Zeit prägen.

GM: Okay, Hand aufs Herz, welches deiner Bilder ist dein Lieblingsbild und warum?

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, ob ich so etwas habe. Meine Arbeit wird von der permanenten Unzufriedenheit mit mir selbst getrieben und ich sitze oft so lange vor meinen Fotografien, dass ich den neutralen Blick darauf verliere. Dann nehme ich meine Arbeit anders war, da gibt es so etwas wie „Lieblingsbilder“ nicht mehr.

 

Walkways are formed by borders I

Galerie Minimal – Limited Edition: 50+V –

Walkways are formed by borders II

Galerie Minimal – Limited Edition: 50+V –

They are built to growI I

Galerie Minimal – Limited Edition: 50+V –

They are built to growI II

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GM: Das kann ich gut nachvollziehen. Du hast eine Serie mit dem Titel „Simplicity“ die mir besonders gut gefällt. Was bedeutet dir minimale Fotografie?

Ziemlich viel. Ich bin durch die Musik zur Fotografie gekommen und das Äquivalent zu einer guten, instrumentalen Komposition ist für mich minimale Fotografie. Ich mag sie, weil sie dir zeigt, wie gut dein Auge ist, dein Gespür für Nebensächlichkeiten. Da ist das fotografieren selbst noch eine Herausforderung. Und wenn ich zwei Stunden über die Ästhetik einer dreckigen Hauswand nachdenke, fällt mir kein besserer Weg ein, um meinen Perfektionismus auszuleben.

GM: laughing Wenn wir den Gästen in unserer Galerie etwas über dich erzählen sollten, was wäre das? Gibt es zum Beispiel etwas, das du mit deiner Arbeit kommunizieren möchtest?

Ja, das ist mir wichtig. Jedem meiner Projekte liegt ein Kontext zugrunde. Am Ende läuft es, glaube ich, aber immer darauf hinaus, dass ich mich selbst ausdrücke. Ich habe mich vor allem früher schlecht verstanden gefühlt und kommuniziere manchmal lieber in Bildern. Die Stadt zum Beispiel ist für mich eine permanente Hassliebe, dieser Diskurs bildet die inhaltliche Basis für die Simplicity-Serie.

GM: Alles klar! Vielen Dank für diese Einblicke. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deiner Arbeit.

Beyond the first layer I

Galerie Minimal – Limited Edition: 50+V –

Beyond the first layer II

Galerie Minimal – Limited Edition: 50+V –